CDH Verband Handelsvertreter

CDH NOW! KurzMeldungen Juli/August 2026

Die DIHK-Konjunkturumfrage Frühsommer 2026 verortet Geschäftslage, Investitionen und Beschäftigungsabsichten der deutschen Unternehmen auf einem Langzeit-Tief. Die Betriebe brauchen dringend strukturelle Entlastungen und Reformen.

Der Krieg im Nahen Osten erstickt die zu Jahresbeginn aufgekeimte Hoffnung auf konjunkturelle Erholung. Die globalen Auswirkungen der Krise treffen zusammen mit den seit Jahren ungelösten strukturellen Problemen am Wirtschaftsstandort Deutschland die heimischen Unternehmen mit voller Wucht. Das zeigt die DIHK-Konjunkturumfrage im Frühsommer 2026, welche die Stimmungslage von rund 23.000 Unternehmen aus allen Branchen und Regionen abbildet.

„Wir stecken in einer Doppelkrise“, erklärt DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov. „Zu den Strukturproblemen in Deutschland kommen die wirtschaftlichen Folgen des Krieges im Nahen Osten hinzu. Geschwächt durch drei Jahre Rezession und Stagnation fühlen sich viele an ihrer Belastungsgrenze. Anders als in früheren Krisen haben viele Betriebe kaum noch Reserven, um den Belastungen etwas entgegenzusetzen. Wir leben in Deutschland von der Substanz.“

Die Unternehmen bewerten ihre Geschäftslage so negativ wie zuletzt in der Corona-Pandemie: Mehr als jedes vierte Unternehmen bezeichnet seine Lage als schlecht, nur 23 Prozent als gut. Besonders angespannt ist die Situation im Handel: Hier ist für 35 Prozent die Lage schlecht. Auch die Zukunftsaussichten der Unternehmen haben sich verdüstert: Ein Drittel rechnet in den kommenden zwölf Monaten mit schlechteren Geschäften – acht Prozentpunkte mehr als noch zu Jahresanfang. Nur 13 Prozent schauen noch optimistisch in die Zukunft. Damit bricht der DIHK-Stimmungsindex erneut ein: von 95,9 Punkten zu Jahresanfang auf nur noch 88,1 Punkte. Es handelt sich um den Mittelwert aus der Beurteilung von Lage und Erwartungen. Die DIHK senkt aufgrund der schlechten Ergebnisse ihre Wachstumsprognose vom Jahresbeginn für 2026 von 1,0 Prozent auf 0,3 Prozent.

Energie- und Rohstoffpreise werden zum Top-Geschäftsrisiko

„Schon vor der aktuellen Krise waren die Unternehmen durch hohe Arbeitskosten, Energiepreise, Bürokratie und Steuern stark belastet. Die zuletzt massiv gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise sind für viele Betriebe der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt“, erklärt Melnikov. „Kurz nach Kriegsbeginn kam es nicht nur zu Preissprüngen bei Öl, Gas und Benzin, sondern auch bei Baumaterialien und Kunststoffen. Der Kostendruck zieht sich inzwischen durch nahezu alle Wirtschaftszweige. Viele Unternehmen können diese Belastung nicht mehr stemmen.“

Entsprechend nennen 70 Prozent der Unternehmen als größtes Geschäftsrisiko Energie- und Rohstoffpreise (Jahresbeginn: 48 Prozent). Gleichzeitig bleiben die Top-Risiken vom Jahresanfang ebenfalls auf hohem Niveau: steigende Arbeitskosten (57 Prozent), schwache Inlandsnachfrage (56 Prozent) und unsichere wirtschaftliche Rahmenbedingungen (58 Prozent) sind sehr häufig genannte Risikofaktoren.

Der Nahost-Krieg versetzt auch der Weltkonjunktur einen Dämpfer und verschärft den internationalen Wettbewerb für deutsche Exporteure. Die Exportaussichten der Industrie, die zu Jahresbeginn noch Anlass zu vorsichtigem Optimismus gegeben hatten, geben keinen Grund zur Zuversicht mehr: Drei von zehn Betrieben rechnen mit zurückgehenden Ausfuhren, nur 19 Prozent erwarten steigende Exporte.

Schlechte Wirtschaftslage bremst Investitionen und Arbeitsmarkt

Die schlechte Stimmung drückt auch auf die Investitionen. Nur 22 Prozent der Unternehmen planen, ihre Investitionsbudgets zu steigern, mehr als ein Drittel muss sie hingegen reduzieren. Wenn Betriebe investieren, dann tun sie dies hauptsächlich, um Maschinen, Anlagen oder Ausrüstung zu ersetzen – mit 70 Prozent sind das so viele wie nie zuvor. Investitionen in die Ausweitung von Kapazitäten hingegen liegen auf einem Tief, das zuletzt während der Finanzkrise 2008/2009 gemessen wurde. Auch Produktinnovationen spielen bei den Investitionen nur noch eine untergeordnete Rolle.

Längst schlägt sich die schlechte Wirtschaftslage auch auf dem Arbeitsmarkt nieder. Knapp ein Viertel der befragten Betriebe plant Personal abzubauen, während nur jeder zehnte mehr Beschäftigte einstellen möchte – der niedrigste Wert seit der Corona-Pandemie. Das spiegelt sich auch in der Entwicklung des Fachkräftemangels wider. Während der Fachkräftemangel noch vor kurzem für mehr als die Hälfte der Unternehmen ein wesentliches Geschäftsrisiko darstellte, sorgen sich darum aktuell nur noch 36 Prozent.

„Kaum zeigten sich erste konjunkturelle Hoffnungsschimmer am Horizont, legt sich mit dem Krieg im Nahen Osten ein erneuter Schatten auf die ohnehin geschwächte deutsche Wirtschaft. Ein tragfähiger Aufschwung rückt in weite Ferne“, sagt Melnikov. Da Deutschlands Einfluss auf die geopolitischen Risiken begrenzt ist, sei es umso wichtiger, dass die Politik die Probleme hierzulande löse: „Die wirtschaftlichen Probleme im eigenen Land sind hausgemacht. Im ersten Jahr der Merz-Regierung wurden wichtige Weichenstellungen vertagt. Das reicht nicht aus, um Vertrauen zurückzugewinnen und Investitionen auszulösen.“

Politik muss mutige Reformen wagen

Die Bundesregierung müsse jetzt schnellstens Energie- und Arbeitskosten sowie Steuern senken, Bürokratie und Berichtspflichten zurückfahren und Verfahren auf allen Ebenen beschleunigen. „Erste dringende Maßnahmen wären das Vorziehen der bereits beschlossenen Unternehmenssteuerreform auf 2027, die Umsetzung der versprochenen Stromsteuersenkung für alle und die Verabschiedung des Infrastruktur-Zukunftsgesetzes“, so die DIHK-Hauptgeschäftsführerin. Wichtig sei außerdem eine zügige Reform der Einkommensteuer. „Wie im Koalitionsvertrag angekündigt, sollten kleine und mittlere Einkommen entlastet werden. Aber bitte ohne Gegenfinanzierung über höhere Steuern auf Leistungsträger.“ Auch bei den Sozialabgaben brauche es einen Kurswechsel, die Bundesregierung müsse sich dazu durchringen, die versicherungsfremden Leistungen komplett über den Bundeshaushalt zu finanzieren. Die geplante Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze sei der falsche Weg. Sie treibe die Lohnnebenkosten weiter nach oben und verteuere Arbeit am Standort Deutschland zusätzlich. Das schwäche Beschäftigung, belaste Betriebe und verschärfe die strukturellen Wettbewerbsnachteile.

„Seit Jahren verharrt Deutschland in der Strukturkrise“, so Melnikov. „Die Bundesregierung muss endlich die richtigen Prioritäten setzen: entlasten, streichen, beschleunigen. Nur mit mutigen Reformen kommt die Wirtschaft zurück auf einen nachhaltigen Wachstumspfad mit sicheren Arbeitsplätzen, höherer Wettbewerbsfähigkeit und wachsendem Wohlstand. Davon profitiert am Ende auch der Staat durch steigende Einnahmen.“

DIHK | Deutsche Industrie- und Handelskammer, Berlin

Weniger Unternehmen planen, ihre Preise zu erhöhen. Die ifo Preiserwartungen sanken im Juni auf 26,4 Punkte, von saisonbereinigt korrigiert 30,0 im Mai.

„Sinkende Energiepreise, zu denen die Hoffnungen auf Frieden im Nahen Osten zusätzlich beigetragen haben, scheinen die Unternehmen zuversichtlicher hinsichtlich der wirtschaftlichen Lage gemacht zu haben. Allerdings dürften die Produzenten- und Verbraucherpreise in den kommenden Monaten weiterhin steigen“, sagt ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Die Preiserwartungen liegen seit März noch erheblich über dem Durchschnitt von 18,3 für den Zeitraum 2023 bis 2025.

Besonders bei den energieintensiven Unternehmen sind die Preiserwartungen gefallen: hier ging der Indikator von 41,2 auf 30,2 Punkte zurück. Bei den nicht-energieintensiven Unternehmen hat der Preisdruck ebenfalls etwas nachgelassen: von 30,3 auf 27,1 Punkte. In den Dienstleistungs- und Handelssektoren sind die Preiserwartungen von saisonbereinigt korrigiert 25,0 bzw. 48,7 auf 21,4 bzw. 42,2 Punkte gesunken. Auch im Verarbeitenden Gewerbe ging der Indikator zurück auf 28,5 Punkte, nach 31,6 im Mai. Die Hersteller von Lebensmitteln planen deutlich seltener mit steigenden Preisen: Der Indikator fiel von 19,6 Punkten auf 12,7. Der Preisdruck im Lebensmitteleinzelhandel schwächte sich etwas ab von 55,3 Punkten auf 48,5 Punkte, bleibt aber nach wie vor hoch.

Die Punkte bei den ifo Preiserwartungen geben an, wie viel Prozent der Unternehmen per Saldo ihre Preise erhöhen wollen. Der Saldo ergibt sich, indem man vom prozentualen Anteil der Unternehmen, die ihre Preise anheben wollen, den prozentualen Anteil derer abzieht, die ihre Preise senken wollen. Wenn alle befragten Unternehmen beabsichtigten, ihre Preise zu erhöhen, läge der Saldo bei +100 Punkten. Würden alle ihre Preise senken wollen, läge er bei −100. Der Saldo wurde saisonbereinigt. Das ifo Institut fragt nicht nach der Höhe der geplanten Preisänderung.

ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V., Münchener Gesellschaft zur Förderung der Wirtschaftswissenschaft – CESifo GmbH

Die Stimmung unter den Unternehmen in Deutschland hat sich verbessert. Der ifo Geschäftsklimaindex stieg im Juni auf 85,6 Punkte, nach 85,0 im Mai.

Die Firmen bewerteten ihre aktuelle Lage besser. Auch die Erwartungen fielen etwas weniger skeptisch aus. Die Unternehmen schätzen das Umfeld als weniger unsicher ein. Die deutsche Wirtschaft hofft auf eine Entspannung der weltpolitischen Situation.

Im Verarbeitenden Gewerbe ist der Index gestiegen. Dies war auf die spürbar verbesserten Erwartungen zurückzuführen. Die Urteile zur aktuellen Lage wurden geringfügig nach unten korrigiert. Die Zahl der Neuaufträge ging erneut zurück.

Im Dienstleistungssektor hat sich das Geschäftsklima verbessert. Die Dienstleister waren deutlich zufriedener mit den laufenden Geschäften. Die Erwartungen blieben nahezu unverändert. Die Unternehmen sind weiterhin skeptisch. Der Bereich Transport und Logistik konnte sich weiter erholen. Im Tourismus bleibt die Lage hingegen schwierig.

Im Handel ist das Geschäftsklima erneut gestiegen. Die Händler waren zufriedener mit der aktuellen Lage. Auch die Erwartungen stiegen deutlich an. Allerdings ist der Weg aus dem Tal noch lang.

Im Bauhauptgewerbe hat sich das Geschäftsklima verbessert. Dies war auf weniger pessimistische Erwartungen zurückzuführen. Die Urteile zur aktuellen Lage blieben unverändert. Viele Unternehmen klagen über fehlende Aufträge.

Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts, München

Das DIW Berlin halbiert seine Wachstumsprognose für dieses Jahr auf 0,5 Prozent. Für 2027 wird ein Plus von 0,8 Prozent erwartet. Steigende Energiepreise nach Ausbruch des Iran-Kriegs Ende Februar wirken als Bremse Die Expansive Finanzpolitik trägt das Wachstum. Zielgenaue Entlastungen für niedrige Einkommen statt Tankrabatt sind nötig.

Nach einem leicht hoffnungsvollen Jahresauftakt ist die deutsche Wirtschaft wieder aus dem Tritt geraten. Der durch den Iran-Krieg ausgelöste Energiepreisschock hat die beginnende Erholung ausgebremst, bevor sie sich festigen konnte. Gestiegene Öl- und Gaspreise treiben die Verbraucherpreise, schmälern die Kaufkraft der privaten Haushalte und verstärken die Unsicherheit. Die deutsche Wirtschaft dürfte sowohl im zweiten als auch im dritten Quartal leicht schrumpfen und damit in eine technische Rezession rutschen, bevor sie sich zum Jahresende voraussichtlich stabilisiert. Zu Jahresbeginn gab es noch einen leichten Hoffnungsschimmer, da die Wirtschaft leicht expandierte.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) senkt in seiner Sommer-Konjunkturprognose die Wachstumserwartung deutlich: auf 0,5 Prozent für dieses und 0,8 Prozent für das kommende Jahr, jeweils rund einen halben Prozentpunkt weniger als im Frühjahr. Die Inflation dürfte mit 2,9 Prozent in diesem und 3,0 Prozent im kommenden Jahr deutlich über dem Stabilitätsziel der Europäischen Zentralbank liegen. Die Arbeitslosenquote wird 2026 auf voraussichtlich 6,4 Prozent steigen, bevor sie 2027 wieder leicht auf 6,2 Prozent sinkt.

Energiepreisschock mit weniger Wucht als 2022/23

„Der Energiepreisschock bremst die Erholung spürbar – aber wir erleben kein zweites 2022/23: Der Schock ist kleiner, die Energieversorgung ist noch gesichert, und Deutschland ist heute weniger abhängig von fossilen Importen als nach Beginn des Ukraine-Kriegs“, sagt DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik. „Dass die Wirtschaft in diesem Jahr überhaupt noch wächst, ist allein der öffentlichen Hand zu verdanken.“ Wie groß die Risiken sind, zeigt eine aktualisierte Szenarioanalyse des DIW Berlin: In einem marktbasiert abgeleiteten Negativszenario läge das Wachstum in diesem Jahr um rund 1,5 Prozentpunkte niedriger als beim Potenzialwachstum. Das entspräche einem Schrumpfen der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr um etwas weniger als ein halbes Prozent. Die Inflation läge auf ähnlichem Niveau wie in der Energiepreiskrise 2023.

Steigende Verteidigungsausgaben und – zeitlich verzögert – Mittel aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität geben der deutschen Wirtschaft Halt und sorgen in beiden Prognosejahren für leichtes Wachstum. Der private Konsum kommt dagegen nur langsam wieder in Schwung. Die exportorientierte Industrie erholt sich angesichts struktureller Schwächen und außenwirtschaftlicher Unsicherheit insgesamt nur zögerlich, nachdem der Außenhandel zum Jahresauftakt noch unerwartet stark war.

„Die finanzpolitischen Impulse fangen den konjunkturellen Rückschlag aber nicht vollständig auf“, ergänzt Dany-Knedlik. „Entscheidend ist, dass die Mittel aus den Sondervermögen zügig und tatsächlich zusätzlich abfließen und nicht nur ohnehin bereits geplante Investitionen finanzieren. Sonst fällt der Impuls schwächer aus als erhofft.“ Diese fiskalische Expansion hat allerdings ihren Preis: Das gesamtstaatliche Defizit weitet sich auf 3,9 Prozent in diesem und 4,3 Prozent im kommenden Jahr aus.

Neben dem Energiepreisschock wirken weiter strukturelle Probleme auf die deutsche Wirtschaft. Dazu zählen insbesondere die nachlassende Wettbewerbsfähigkeit der Industrie, hohe Produktionskosten sowie der demografische Wandel. Diese Faktoren begrenzen das Wachstumspotenzial und erschweren eine schnelle konjunkturelle Erholung, unabhängig von der aktuellen geopolitischen Lage.

DIW-Präsident Fratzscher: „Verlängerung des Tankrabatts wäre ein Fehler“

Die DIW-Prognose beruht auch auf der Annahme, dass Bundesregierung, Länder und Kommunen in diesem Jahr deutlich mehr Mittel aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität ausgeben und somit einen wichtigen Impuls für die Privatwirtschaft setzen. „Es ist jedoch durchaus wahrscheinlich, dass die Pläne für öffentliche Investitionen hinter den Erwartungen zurückbleiben und die deutsche Wirtschaft somit nicht so stark unterstützen wie prognostiziert“, befürchtet DIW-Präsident Marcel Fratzscher.

Die Bundesregierung solle dringend zielgenaue Maßnahmen umsetzen, um Menschen mit geringen Einkommen zu entlasten und das Armutsrisiko zu reduzieren. „Eine Energiekostenpauschale – ähnlich wie 2022 – ist dafür das richtige Instrument“, so Fratzscher. Der Tankrabatt dagegen sei teuer, nicht zielgenau und unterstütze auch die Mineralölkonzerne. „Die Bundesregierung sollte diesen Fehler nicht ein zweites Mal wiederholen und den Tankrabatt daher nicht über den 30. Juni hinaus verlängern.“

Einen Lichtblick sähe Fratzscher, wenn die Bundesregierung ernst macht mit ihrem versprochenen großen Reformpaket. „Eine mutige Reform könne das Vertrauen der Bürger*innen und Unternehmen in die Handlungsfähigkeit der deutschen Politik stärken und einen wichtigen Impuls für zusätzliche private Investitionen und Konsumausgaben setzen.“

Iran-Krieg dämpft Weltwirtschaft – Wachstum bleibt moderat

Die Weltwirtschaft startete robust ins Jahr, getragen von solider Binnenkonjunktur, fiskalischen Impulsen und hohen Investitionen in Künstliche Intelligenz. Mit dem Ausbruch des Iran-Kriegs hat sich das Bild auch weltweit eingetrübt: Der Energiepreisschock facht die Inflation wieder an. Dies schmälert die Kaufkraft der privaten Haushalte und dämpft den Konsum. Gleichwohl dürfte die Weltwirtschaft weiter moderat wachsen. Unter der Annahme allmählich nachlassender Energiepreise wird ein globales Wachstum von 3,1 Prozent im Jahr 2026 und 3,3 Prozent im Jahr 2027 erwartet – für das laufende Jahr sind das 0,2 Prozentpunkte weniger als in der Frühjahrsprognose.

Während die USA als großer Energieproduzent weiter vergleichsweise solide Wachstumsraten von gut zwei Prozent erreichen, fällt die Entwicklung im Euroraum deutlich schwächer aus: Die hohe Abhängigkeit von Energieimporten und die damit verbundenen Preisschocks belasten Kaufkraft und Wirtschaft, sodass sich die Wachstumsprognose hier auf 0,3 Prozent für dieses Jahr abschwächt. China dürfte sich hingegen trotz struktureller Belastungen, insbesondere im Immobiliensektor, mit moderatem Tempo weiterentwickeln und vor allem von Exporten sowie Investitionen in Zukunftstechnologien gestützt werden. Obwohl eine leicht expansive Finanzpolitik und der anhaltende KI‑Boom global für positive Impulse sorgen, überwiegen die Abwärtsrisiken. Dazu zählen insbesondere eine mögliche weitere Eskalation des Iran-Kriegs mit anhaltend hohen Energie- und Lebensmittelpreisen, eine stärkere geldpolitische Straffung infolge steigender Inflationserwartungen sowie potenzielle Belastungen der Arbeitsmärkte durch den strukturellen Wandel infolge Künstlicher Intelligenz.

Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW), Berlin

Die reale (preisbereinigte) Produktion im Produzierenden Gewerbe ist nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) im Mai 2026 gegenüber April 2026 saison- und kalenderbereinigt um 0,9 % gestiegen.

Im weniger volatilen Dreimonatsvergleich war die Produktion von März bis Mai 2026 um 0,1 % höher als in den drei Monaten zuvor. Im April 2026 stieg die Produktion gegenüber März 2026 nach Revision der vorläufigen Ergebnisse um 0,2 % (vorläufiger Wert: +0,4 %). Im Vergleich zum Vorjahresmonat Mai 2025 blieb die Produktion im Mai 2026 kalenderbereinigt unverändert (0,0 %).

Deutlicher Produktionsanstieg in der Automobilindustrie

Die positive Entwicklung der Produktion im Mai 2026 ist maßgeblich auf die Zuwächse in der Automobilindustrie zurückzuführen (saison- und kalenderbereinigt +3,6 % zum Vormonat). Auch der Anstieg im Baugewerbe (+0,9 %) beeinflusste das Gesamtergebnis positiv.

Die Industrieproduktion (Produzierendes Gewerbe ohne Energie und Baugewerbe) stieg im Mai 2026 gegenüber April 2026 saison- und kalenderbereinigt um 0,8 %. Dabei stieg die Produktion von Investitionsgütern um 1,3 % und die Produktion von Konsumgütern um 1,2 %. Die Produktion von Vorleistungsgütern sank dagegen um 0,4 %. Außerhalb der Industrie stieg die Energieerzeugung um 0,8 %.

Im Vergleich zum Vorjahresmonat Mai 2025 sank die Industrieproduktion kalenderbereinigt um 1,0 %.

Produktion in energieintensiven Industriezweigen gestiegen

In den energieintensiven Industriezweigen ist die Produktion im Mai 2026 gegenüber April 2026 saison- und kalenderbereinigt um 0,2 % gestiegen. Im Dreimonatsvergleich war die Produktion in den energieintensiven Industriezweigen von März bis Mai 2026 um 3,2 % höher als in den drei Monaten zuvor. Verglichen mit dem Vorjahresmonat Mai 2025 war die energieintensive Produktion im Mai 2026 kalenderbereinigt um 2,9 % höher. Eine Analyse zum Produktionsindex für energieintensive Industriezweige ist auf der Themenseite „Industrie, Verarbeitendes Gewerbe“ im Internetangebot des Statistischen Bundesamtes verfügbar.

Produktion im Produzierenden Gewerbe

Mai 2026 (real, vorläufig):

+0,9 % zum Vormonat (saison- und kalenderbereinigt)

0,0 % zum Vorjahresmonat (kalenderbereinigt)

April 2026 (real, revidiert):

+0,2 % zum Vormonat (saison- und kalenderbereinigt)

-0,9 % zum Vorjahresmonat (kalenderbereinigt)

Statistisches Bundesamt (Destatis), Wiesbaden

Der reale (preisbereinigte) Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe ist nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) im Mai 2026 gegenüber April 2026 saison- und kalenderbereinigt um 1,9 % gestiegen.

Ohne die Berücksichtigung von Großaufträgen war der Auftragseingang um 1,0 % höher als im Vormonat. Im weniger volatilen Dreimonatsvergleich lag der Auftragseingang von März bis Mai 2026 um 0,2 % niedriger als in den drei Monaten zuvor, ohne Großaufträge stieg er im gleichen Zeitraum um 4,1 %. Im April 2026 fiel der Auftragseingang nach Revision der vorläufigen Ergebnisse gegenüber März 2026 um 3,2 % (vorläufiger Wert: -3,8 %).

Die positive Entwicklung der Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe im Mai 2026 ist wesentlich auf den deutlichen Anstieg im Sonstigen Fahrzeugbau (Flugzeuge, Schiffe, Züge, Militärfahrzeuge) zurückzuführen. Hier lagen die Neuaufträge aufgrund mehrerer Großaufträge um 85,0 % höher als im Vormonat. Auch die Zuwächse der Auftragseingänge im Maschinenbau (+3,7 %) und im Bereich Herstellung von elektrischen Ausrüstungen (+5,7 %) beeinflussten das Gesamtergebnis positiv. Negativ wirkte sich hingegen der Rückgang in der Automobilindustrie (-3,8 %) und im Bereich Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen (-7,8 %) aus.

Bei den Investitionsgütern lag der Auftragseingang im Mai 2026 um 2,2 % höher und bei den Vorleistungsgütern um 1,4 % höher als im Vormonat. Bei den Konsumgütern stieg er um 2,4 %.

Die Auslandsaufträge stiegen im Mai 2026 um 2,2 %. Dabei stiegen die Aufträge aus der Eurozone um 11,2 % und die Aufträge von außerhalb der Eurozone sanken um 3,2 %. Die Inlandsaufträge stiegen um 1,3 %.

Umsatz im Mai 2026 um 1,8 % höher als im Vormonat

Der reale Umsatz im Verarbeitenden Gewerbe war nach vorläufigen Angaben im Mai 2026 saison- und kalenderbereinigt 1,8 % höher als im Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahresmonat Mai 2025 war der Umsatz kalenderbereinigt 4,2 % höher. Für April 2026 ergab sich nach Revision der vorläufigen Ergebnisse ein Anstieg von 0,1 % gegenüber März 2026; damit wurde das vorläufige Ergebnis bestätigt.

Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe

Mai 2026 (real, vorläufig):

+1,9 % zum Vormonat (saison- und kalenderbereinigt)

+6,2 % zum Vorjahresmonat (kalenderbereinigt)

April 2026 (real, revidiert):

-3,2 % zum Vormonat (saison- und kalenderbereinigt)

+2,1 % zum Vorjahresmonat (kalenderbereinigt)

Statistisches Bundesamt (Destatis), Wiesbaden

Die positive Entwicklung bei der Verbraucherstimmung in Deutschland hält an, bleibt aber weiterhin auf einem niedrigen Niveau. Das geht aus dem aktuellen Konsumbarometer des Handelsverbandes Deutschland (HDE) hervor.

Der positive Trend aus dem Vormonat setzt sich im Juli weiter fort, aber die bisherigen Auswirkungen der globalen Konflikte beeinträchtigen die Verbraucherstimmung weiter.

Im Vergleich zum Vormonat steigt das HDE-Konsumbarometer an. Gegenüber dem Vorjahr ist die Stimmung allerdings stark eingetrübt. Der anhaltende Konflikt im Iran hat massive Auswirkungen auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung sowie die Verbraucherstimmung. Die Anschaffungsneigung bleibt nahezu unverändert im Vergleich zum Vormonat und liegt ebenfalls deutlich unter dem Wert des Vorjahrs.

Deutlich optimistischer bewerten die Verbraucherinnen und Verbraucher die Entwicklung der konjunkturellen Lage. Mit der Hoffnung auf eine bessere Konjunktur blicken die Verbraucherinnen und Verbraucher auch zuversichtlich auf ihre Einkommenserwartung. Der aktuelle Wert liegt nur leicht unter dem Vorjahresniveau.

Aufgrund der Vereinbarungen zwischen den USA und dem Iran über das Ende von Kampfhandlungen, sehen die Verbraucherinnen und Verbraucher optimistischer auf die kommenden Wochen. Die Erholung der Stimmung beginnt aber auf einem niedrigen Niveau und der negative Effekt auf die Wirtschaft in der ersten Jahreshälfte wird bis zum Ende des Jahres nicht mehr aufzuholen sein. Ohne ein richtiges Ende des Irankriegs wird die Konsumstimmung weiterhin zurückhaltend bleiben.

Das jeweils am ersten Montag eines Monats erscheinende HDE-Konsumbarometer basiert auf einer monatlichen Umfrage unter 1.600 Personen zur Anschaffungsneigung, Sparneigung, finanziellen Situation und zu anderen konsumrelevanten Faktoren. Das Konsumbarometer, das vom Handelsblatt Research Institute (HRI) im Auftrag des HDE erstellt wird, hat eine Indikatorfunktion für den privaten Konsum. Es bildet nicht das aktuelle Verbraucherverhalten ab, sondern die erwartete Stimmung in den kommenden drei Monaten.

Handelsverband Deutschland – HDE – e.V., Berlin

Der Umsatz der Einzelhandelsunternehmen in Deutschland ist nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) im Mai 2026 gegenüber April 2026 kalender- und saisonbereinigt real (preisbereinigt) um 1,1 % und nominal (nicht preisbereinigt) um 1,0 % gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat Mai 2025 stieg der Umsatz real um 1,8 % und nominal um 3,2 %.

Im April 2026 verzeichnete der Einzelhandelsumsatz gegenüber März 2026 nach Revision der vorläufigen Ergebnisse einen Rückgang von real 0,4 % (vorläufiger Wert: -0,3 %) und nominal einen Rückgang von 0,2 % (vorläufiger Wert: +0,3 %).

Auffällig war im Mai 2026 erneut die Entwicklung der Umsätze der Tankstellen infolge des Kriegs im Nahen Osten und der politischen Gegenmaßnahmen in Deutschland (Tankrabatt vom 1. Mai bis 30. Juni 2026): Kalender- und saisonbereinigt stiegen die Umsätze real um 3,5 % und sanken nominal 1,8 % gegenüber dem Vormonat. Im März waren die Umsätze im Vergleich zum Vormonat noch real gesunken (-2,7 %) und nominal gestiegen (+8,8 %), im April sowohl real als auch nominal gesunken (-5,2 % beziehungsweise -2,7 %). Im Vergleich zum Vorjahresmonat Mai 2025 verzeichneten die realen Umsätze einen Rückgang von 6,2 %, wohingegen die nominalen Umsätze um 7,4 % anstiegen. Zu beachten ist, dass im Umsatz der Tankstellen auch die Verkäufe in den Tankstellenshops enthalten sind.

Der Umsatz im Einzelhandel mit Lebensmitteln stieg im Mai 2026 gegenüber dem Vormonat kalender- und saisonbereinigt real um 1,1 % und nominal um 1,0 %. Im Vergleich zum Vorjahresmonat Mai 2025 verzeichnete der Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel einen realen Zuwachs von 0,6 % und nominalen Anstieg von 1,5 %.

Im Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln stieg der kalender- und saisonbereinigte Umsatz im Mai 2026 gegenüber dem Vormonat real um 1,0 % und nominal um 1,2 %. Im Vergleich zum Vorjahresmonat Mai 2025 verzeichnete der reale Umsatz einen Anstieg von 2,7 %, während der nominale Umsatz um 4,3 % stieg.

Im Internet- und Versandhandel verzeichnete der Umsatz im Mai 2026 gegenüber dem Vormonat ein Umsatzplus von real 3,4 % und nominal 3,6 %. Im Vergleich zum Vorjahresmonat Mai 2025 wuchs der Umsatz im Internet- und Versandhandel real um 7,0 % und nominal um 7,8 %.

Einzelhandelsumsatz, Mai 2026 (vorläufig, kalender- und saisonbereinigt)

+1,1 % zum Vormonat (real); +1,0 % zum Vormonat (nominal)

+1,8 % zum Vorjahresmonat (real); +3,2 % zum Vorjahresmonat (nominal)

April 2026 (revidiert, kalender- und saisonbereinigt)

-0,4 % zum Vormonat (real); -0,2 % zum Vormonat (nominal)

-0,6 % zum Vorjahresmonat (real); +1,3 % zum Vorjahresmonat (nominal)

Statistisches Bundesamt (Destatis), Wiesbaden

Die Verkaufspreise im Großhandel waren im Juni 2026 um 4,9 % höher als im Juni 2025. Im Mai 2026 hatte die Veränderungsrate gegenüber dem Vorjahresmonat bei +5,9 % gelegen, im April 2026 bei +6,3 %.

Ausschlaggebend für den Preisanstieg im Juni 2026 waren die Kriegshandlungen im Iran und im Nahen Osten, in deren Folge sich insbesondere die Großhandelspreise für Energieprodukte und Rohstoffe erhöhten. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, fielen die Großhandelspreise im Juni 2026 gegenüber Mai 2026 hingegen um 0,7 %.

Deutliche Preisanstiege bei Mineralölerzeugnissen sowie Nicht-Eisen-Erzen, -Metallen und -Metallhalbzeug

Hauptursächlich für den Anstieg der Großhandelspreise insgesamt gegenüber dem Vorjahresmonat war im Juni 2026 der Preisanstieg bei Mineralölerzeugnissen. Die Preise lagen hier im Durchschnitt 21,7 % über denen von Juni 2025. Gegenüber dem Vormonat Mai 2026 fielen sie um 6,8 %.

Ebenfalls bedeutend für die Entwicklung im Vorjahresvergleich war der Preisanstieg im Großhandel mit Nicht-Eisen-Erzen, -Metallen und -Metallhalbzeug (+31,0 % gegenüber Juni 2025, aber -2,7 % gegenüber Mai 2026). Zudem stiegen unter anderem die Preise im Großhandel für chemische Erzeugnisse gegenüber Juni 2025 um 14,9 % (+0,5 % gegenüber Mai 2026). Eisen, Stahl und Halbzeug daraus waren auf Großhandelsebene 8,2 % teurer als im Vorjahresmonat (+0,5 % gegenüber Mai 2026).

Preisrückgänge im Juni 2026 gab es dagegen insbesondere im Großhandel mit lebenden Tieren (-16,0 % gegenüber Juni 2025 und -3,9 % gegenüber Mai 2026). Niedrigere Preise als im Vorjahresmonat wurden auf Großhandelsebene im Schnitt auch bei Kaffee, Tee, Kakao und Gewürzen (-10,0 % gegenüber Juni 2025 und -3,7 % gegenüber Mai 2026) sowie bei Milch, Milcherzeugnissen, Eiern, Speiseölen und Nahrungsfetten (-8,5 % gegenüber Juni 2025 und -0,8 % gegenüber Mai 2026) bezahlt.

Großhandelsverkaufspreise, Juni 2026             

+4,9 % zum Vorjahresmonat, -0,7 % zum Vormonat

 

Statistisches Bundesamt (Destatis), Wiesbaden

Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte waren im Mai 2026 um 2,2 % höher als im Mai 2025. Einen höheren Anstieg gegenüber dem Vorjahresmonat hatte es zuletzt im Mai 2023 gegeben (+2,5 % gegenüber Mai 2022).

Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, stiegen die Erzeugerpreise im Mai 2026 gegenüber dem Vormonat April 2026 um 0,3 %.

Der Anstieg der Erzeugerpreise gegenüber dem Vorjahresmonat ist vor allem auf gestiegene Preise von Vorleistungsgütern (+4,2 %) zurückzuführen. Die Preise für Energie (+2,5 %) stiegen ebenfalls gegenüber dem Vorjahresmonat.

Auch Investitionsgüter (+2,0 %) und Gebrauchsgüter (+2,0 %) waren im Mai 2026 teurer als ein Jahr zuvor. Günstiger waren hingegen Verbrauchsgüter (-1,7 %). Ohne Berücksichtigung von Energie stiegen die Erzeugerpreise im Mai 2026 gegenüber Mai 2025 um 2,3 %, gegenüber April 2026 stiegen sie um 0,7 %.

Anstieg der Energiepreise vor allem durch Preissteigerungen bei Mineralölerzeugnissen

Energie war im Mai 2026 um 2,5 % teurer als im Vorjahresmonat. Gegenüber April 2026 sanken die Energiepreise allerdings um 0,4 %. Durch die anhaltenden Kriegshandlungen im Iran und Nahen Osten blieben die Preise für Mineralölerzeugnisse im Mai 2026 annähernd auf dem im April 2026 erreichten hohen Niveau. Gegenüber Mai 2025 stiegen die Mineralölpreise um 34,9 %, gegenüber April 2026 sanken sie aber um 2,5 %. Rohbenzin (Naphtha) kostete 60,9 % mehr als im Mai 2025, während die Preise für leichtes Heizöl um 52,8 % und für Kraftstoffe um 24,2 % stiegen.

Demgegenüber gab es bei Erdgas und elektrischem Strom, auch bedingt durch das immer noch hohe Preisniveau seit Beginn des Kriegs in der Ukraine, im Mai 2026 sogar Preissenkungen gegenüber dem Vorjahresmonat. Erdgas in der Verteilung kostete über alle Abnehmergruppen hinweg betrachtet 1,3 % weniger. Die Preise für Strom fielen gegenüber Mai 2025 um 4,6 %, Fernwärme war 0,5 % günstiger als im Vorjahresmonat.

Hoher Preisanstieg bei Vorleistungsgütern

Die Preise für Vorleistungsgüter waren im Mai 2026 um 4,2 % höher als im Vorjahresmonat (+1,4 % gegenüber April 2026).

Für den Preisanstieg gegenüber Mai 2025 sorgten vor allem die höheren Preise von Metallen (+11,1 %). Insbesondere die Preise für Edelmetalle (+59,4 %) stiegen deutlich. Für Kupfer und Halbzeug daraus musste 24,5 % mehr bezahlt werden als im Vorjahr. Auch Roheisen, Stahl und Ferrolegierungen waren im Mai 2026 teurer als im Vorjahresmonat (+1,5 %), darunter kostete Betonstahl 5,0 % mehr.

Die Preise für chemische Grundstoffe stiegen gegenüber dem Vorjahresmonat um 10,4 %, allein gegenüber April 2026 stiegen sie um 5,8 %. Düngemittel waren 13,2 % teurer als vor einem Jahr und 2,5 % teurer als im April 2026.

Holz sowie Holz- und Korkwaren (+5,8 %) waren ebenfalls teurer als im Vorjahresmonat, darunter Nadelschnittholz mit +8,5 % und Laubschnittholz mit +2,9 %. Erhebliche Preisanstiege gab es bei Pellets, Briketts und Scheiten mit +24,1 % gegenüber dem Vorjahresmonat, allerdings sanken die Preise gegenüber April 2026 um 3,5 %.

Die Preise für Glas und Glaswaren stiegen gegenüber dem Vorjahresmonat um 2,7 %. Darunter war veredeltes und bearbeitetes Flachglas 5,3 % teurer, wohingegen die Preise für Hohlglas um 1,5 % gegenüber Mai 2025 sanken.

Preisrückgänge gegenüber Mai 2025 gab es ebenfalls bei Papier, Pappe und Waren daraus, diese kosteten 1,5 % weniger als im Vorjahresmonat. Futtermittel für Nutztiere (-3,0 %) und Getreidemehl (-3,8 %) kosteten ebenfalls deutlich weniger als im Mai 2025.

Preisanstiege auch bei Investitionsgütern und Gebrauchsgütern, Preisrückgänge bei Verbrauchsgütern

Die Preise für Investitionsgüter waren im Mai 2026 um 2,0 % höher als im Vorjahresmonat (+0,1 % gegenüber April 2026). Maschinen kosteten 1,9 % mehr als im Mai 2025, die Preise für Kraftwagen und Kraftwagenteile stiegen um 1,3 %.

Gebrauchsgüter waren im Mai 2026 um 2,0 % teurer als im Vorjahresmonat (+0,2 % gegenüber April 2026).

Die in Deutschland produzierten und verkauften Verbrauchsgüter kosteten dagegen 1,7 % weniger als im Vorjahresmonat und 0,2 % weniger als im April 2026. Unter den Verbrauchsgütern fielen die Nahrungsmittelpreise insgesamt um 3,6 %. Deutlich billiger als im Mai 2025 waren Butter (-40,0 %) und Schweinefleisch (-16,7 %). Rindfleisch war 1,0 % teurer als im Vorjahresmonat, sank aber gegenüber April 2026 um 4,0 %.

Erzeugerpreise gewerblicher Produkte (Inlandsabsatz), Mai 2026

+2,2 % zum Vorjahresmonat, +0,3 % zum Vormonat

Statistisches Bundesamt (Destatis), Wiesbaden

Immer mehr Unternehmen berichten von Problemen, Vorprodukte zu beschaffen. Im Juni hatten 17,2% der Unternehmen mit Materialengpässen zu kämpfen, im Mai lag der Anteil noch bei 15,9%.

„Die Straße von Hormus ist zwar wieder passierbar, doch die Folgen der Störungen wirken nach“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen. „Bis zur vollständigen Normalisierung der internationalen Lieferketten dürfte es noch einige Zeit dauern.“

Besonders angespannt bleibt die Situation in der Chemischen Industrie. Dort spricht fast ein Drittel (29,5%) der Unternehmen von Materialengpässen. Bei den Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten sowie elektronischen und optischen Erzeugnissen verschärfte sich die Lage deutlich. Der Anteil stieg hier von 25,5 auf 34,2%. Auch bei den Herstellern elektrischer Ausrüstungen nahmen die Engpässe weiter zu und erreichten 27,7%. Im Maschinenbau blieb die Situation mit 15,6% nahezu unverändert. In der Automobilindustrie stieg der Anteil der betroffenen Unternehmen von 10,0 auf 15,7%.

Etwas entspannt hat sich die Lage dagegen bei den Herstellern von Gummi- und Kunststoffwaren. Dort sank der Anteil der Unternehmen mit Materialmangel von 23,7 auf 11,3%. Hersteller der Getränkeindustrie meldeten weiterhin keine Engpässe.

ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V., Münchener Gesellschaft zur Förderung der Wirtschaftswissenschaft – CESifo GmbH

Eine aktuelle Umfrage ergab: Die Branche verharrt auf befriedigendem Niveau. Das Renovierungsgeschäft wird zum stärksten Treiber im deutschen Markt.

Die aktuellen Energie- und Rohstoffpreise, drohende Lieferengpässe sowie die ausbleibenden Reformen in Deutschland und Europa belasten die Geschäftserwartungen der Sanitärindustrie und Installationstechnik. Dennoch zeigt eine aktuelle Stimmungsumfrage, die der VDMA Sanitärtechnik und -design anlässlich seiner 5. Mitgliederversammlung Ende Mai vorgestellt hat, ein insgesamt stabiles Bild. In der repräsentativen Mitgliederbefragung bewerten 55 Prozent der Unternehmen die Geschäftslage als befriedigend, 35 Prozent als gut und 10 Prozent als schlecht. „Damit bleibt die Einschätzung auf dem gleichen Niveau wie im Herbst vergangenen Jahres“, kommentiert Thilo C. Pahl, Vorstandsvorsitzender des VDMA Sanitärtechnik und -design und Geschäftsführender Gesellschafter von Bette GmbH & Co. KG.

Für das laufende Jahr erwartet mit 45 Prozent eine relative Mehrheit der Firmen leicht steigende Umsätze, weitere 15 Prozent rechnen sogar mit einem deutlichen Wachstum. Demgegenüber gehen 25 Prozent von leicht rückläufigen Umsätzen aus.

Leichte Eintrübung in Deutschland – aber kein Stimmungsabsturz

Die Perspektiven für Deutschland haben sich im Vergleich zum Herbst eingetrübt. Zwar rechnet weiterhin eine Mehrheit von 55 Prozent mit einem Wachstum, allerdings liegt dieser Anteil deutlich unter dem vorangegangenen Wert (73 Prozent). Gleichzeitig nimmt die Zahl der Unternehmen zu, die von einer rückläufigen Umsatzentwicklung ausgehen. Etwas positiver fällt die Einschätzung für Europa aus: 60 Prozent der Befragten erwarten hier steigende Umsätze. Auch mit Blick auf die Märkte außerhalb Europas überwiegt verhaltener Optimismus – 55 Prozent rechnen mit einem leichten Plus, während lediglich 10 Prozent von einem Rückgang ausgehen. Damit hat sich hier die Einschätzung gegenüber dem Herbst leicht verbessert.

Absatzmärkte in Deutschland: Verschiebung zugunsten Renovierung

Die Einschätzung der Absatzmärkte in Deutschland hat sich spürbar verändert. Während im Herbst der öffentliche Bau als stärkster Treiber galt, wird aktuell das Renovierungsgeschäft am besten bewertet: 30 Prozent der Unternehmen erwarten hier eine positive Entwicklung, 25 Prozent hingegen eine negative. Für den Hotel- und Gewerbebau sowie den öffentlichen Bau rechnet jeweils eine klare Mehrheit (60 Prozent und 55 Prozent) mit einer stabilen Entwicklung ohne größere Veränderungen. Die Perspektiven für den Wohnungsneubau bleiben hingegen angespannt: 45 Prozent erwarten eine unveränderte Entwicklung, ebenso viele gehen von einer negativen Entwicklung aus.

VDMA Sanitärtechnik und –design, Frankfurt am Main

Die Oberflächentechnik bleibt in einem schwierigen konjunkturellen Umfeld. Unsicherheit, Investitionszurückhaltung und geopolitische Risiken belasten die Nachfrage, während die internationale Wettbewerbsfähigkeit Stabilität verleiht.

Die Unternehmen der Oberflächentechnik agieren weiterhin in einem anspruchsvollen Marktumfeld. Zwar hat der Maschinenbau die konjunkturelle Talsohle punktuell erreicht, insgesamt bleibt die Nachfrage aus vielen Kundenbranchen jedoch volatil. Investitionszurückhaltung, geopolitische Spannungen sowie hohe Unsicherheiten bei Kosten und Lieferketten erschweren die Planung.

Unsicheres Umfeld bremst Investitionen

Als exportorientierte Branche spürt die Oberflächentechnik die zunehmende geopolitische Fragmentierung besonders stark. Handelsbarrieren, Sanktionsregime sowie anhaltende Diskussionen über Zölle – etwa auf Stahl- und Aluminiumderivate – erhöhen die Unsicherheit und dämpfen Investitionsentscheidungen.

Volatiler Auftragseingang, Außenhandel als Stütze

Der Auftragseingang der Oberflächentechnik verlief 2025 insgesamt rückläufig. Über das Jahr hinweg lag er bei minus 12 Prozent, wobei das Inland deutlich schwächer tendierte als das Ausland. Auch zu Beginn des Jahres 2026 setzte sich die verhaltene Entwicklung fort. Einzelne Großprojekte führen zudem zu starken monatlichen Ausschlägen.

Der Außenhandel bleibt dennoch eine tragende Säule der Branche. Die deutschen Exporte von Geräten und Anlagen zur Oberflächenbehandlung legten 2025 deutlich zu und wuchsen gegenüber dem Vorjahr um mehr als 20 Prozent. Regional zeigt sich jedoch ein sehr heterogenes Bild: Während die Lieferungen in die EU rückläufig waren, kamen wichtige Impulse aus den USA und Mexiko. Die Exporte nach China gingen dagegen spürbar zurück. Für die Hersteller sind stabile handels- und zollpolitische Rahmenbedingungen daher entscheidend für Investitionsentscheidungen.

Gedämpfte Erwartungen für 2026

Auch auf der Produktionsseite setzte sich der rückläufige Trend fort. Die Inlandsproduktion sank 2025 erneut, während die Bedeutung internationaler Standorte weiter zunimmt. Die Ergebnisse der aktuellen VDMA‑Konjunkturumfrage spiegeln diese Gemengelage wider: Zwar bewerten viele Unternehmen ihre Lage als stabil, gleichzeitig sehen über 60 Prozent eine Verschlechterung der Geschäftsentwicklung in den kommenden Monaten. Entsprechend rechnet der Fachverband Allgemeine Lufttechnik für die Oberflächentechnik nach einem rückläufigen Jahr 2025 auch 2026 mit einem nominalen Umsatzminus von rund 2 Prozent. Erst ab 2027 könnten sich die Vorzeichen wieder verbessern – vorausgesetzt, externe Rahmenbedingungen stabilisieren sich.

Für die Oberflächentechnik bleibt 2026 damit vor allem ein Jahr der Konsolidierung. Die Unternehmen sind technologisch gut positioniert, doch die Dynamik wird zunehmend durch Standortfaktoren begrenzt. Entscheidend sind Investitionen in den Kundenindustrien, verlässliche handelspolitische Weichenstellungen, Bürokratieabbau sowie die konsequente Nutzung von Digitalisierungs‑, Service‑ und Exportpotenzialen. Auch der europäische Markt muss wieder an Stärke gewinnen.

VDMA e.V., Frankfurt/Main

Der PBS-Markt verzeichnet 2025 leichte Umsatzverluste und sinkt auf 12,8 Milliarden Euro. Zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt, hohe Homeoffice-Quote sowie Preissensibilität verändern den Markt nachhaltig. Der Mengenabsatz von Büropapieren ist seit 2019 um knapp 30 Prozent gesunken. Der Fachhandel verliert an Relevanz.

Nach zwei von Preissteigerungen geprägten Jahren nach der Pandemie befindet sich der deutsche Markt für Papier, Büro und Schreibwaren (PBS) erneut in einer Phase struktureller Schwäche. Zwar konnte das Corona-bedingte Umsatzminus zeitweise ausgeglichen werden, seit 2024 zeigt sich jedoch wieder eine rückläufige Marktentwicklung. Prognosen der IFH‑Marktexperten zufolge sinkt das Marktvolumen im Jahr 2025 auf rund 12,8 Milliarden Euro. Für 2026 wird ebenfalls eine leicht rückläufige Umsatzentwicklung erwartet; auch in den Folgejahren ist von stagnierenden bis leicht sinkenden Umsätzen auszugehen. Das zeigen die Ergebnisse des neuen „Branchenbericht PBS-Artikel“ des IFH KÖLN und der BBE Handelsberatung.

„Der PBS‑Markt steht weniger vor einem konjunkturellen als vor einem strukturellen Problem. Zunehmend digitalisierte Arbeitsprozesse, Homeoffice‑Regelungen und ein wachsender Nachhaltigkeitsgedanke reduzieren den Bedarf an klassischen Büro‑ und Papierprodukten dauerhaft. Gleichzeitig nimmt die Preissensibilität zu: Online‑Preisvergleiche, längere Lieferzeiten für günstigere Angebote und der Wechsel zu preisaggressiven Anbietern werden zunehmend akzeptiert“, so Dr. Moritz Brandauer, Senior Consultant BBE Handelsberatung.

Büropapiere: Kurzzeitiges preisgetriebenes Umsatzwachstum bei sinkenden Mengen

Haupttreiber der positiven Umsatzentwicklung in den Jahren 2022 und 2023 war die Warengruppe der Büropapiere. Dieses Wachstum basierte jedoch weder auf einer erhöhten Nachfrage noch auf Nachholeffekten nach den Pandemiejahren, sondern war ausschließlich preisgetrieben. Preisbereinigt beziehungsweise in Mengen zeigt sich ein klarer Negativtrend: Seit 2019 ist die abgesetzte Menge an Büropapier um fast 30 Prozent gesunken. Auch im Jahr 2025 setzt sich diese Entwicklung fort. Während der nominale Umsatz mit rund sechs Milliarden Euro weiterhin deutlich über dem Niveau der Jahre 2020 und 2021 liegt, fällt der preisbereinigte Umsatz im gleichen Zeitraum auf rund 4,3 Milliarden Euro zurück.

Fachhandel unter Druck – alternative Vertriebsformate gewinnen

Ein Blick auf die Entwicklung der Vertriebswege zwischen 2016 und 2025 zeigt, dass der stationäre Fachhandel weiter an Bedeutung verliert. Besonders in den Innenstädten belasten sinkende Frequenzen und zunehmende Angebotslücken die Marktposition. Das zunehmend fehlende stationäre Angebot begünstigt zugleich das Wachstum des Onlinehandels, der seinen Umsatz seit 2016 verdoppeln konnte. Auch SB‑Warenhäuser, der Lebensmitteleinzelhandel sowie Discounter haben seit der Pandemie Marktanteile hinzugewonnen.

„Die Stärke von SB‑Warenhäusern und Discountern liegt in der Kombination aus schneller Verfügbarkeit und preislicher Attraktivität. PBS‑Artikel werden beim Lebensmitteleinkauf häufig nebenbei mitgenommen und sind insbesondere in Aktionsphasen oft günstiger als im Fachhandel – ein klarer Vorteil aus Konsumentensicht in Zeiten gedämpfter Konsumstimmung. Zusätzlich verschärft sich der Wettbewerb durch asiatische Online‑Marktplätze wie Temu oder Shein sowie durch Amazon Haul, das seit Mitte 2025 in Deutschland verfügbar ist und preisgünstige Sortimente mit dem bekannten Amazon‑Service kombiniert“, ordnet Christoph Lamsfuß, Senior Consultant am IFH KÖLN, die Ergebnisse ein.

Über die Studie

Der „Branchenbericht PBS-Artikel“, Jahrgang 2026, des IFH KÖLN in Zusammenarbeit mit der BBE Handelsberatung liefert folgende Daten:

  • Marktvolumen auf Endverbraucherebene 2016 bis 2025
  • 16 Warengruppen* – Entwicklung, Wachstumstreiber
  • Vertriebswegeprofile, Vertriebsstrukturen 2016 bis 2025
  • 6 Vertriebsformate – Entwicklung, Wachstumstreiber
  • Marktprognose 2026 bis 2030
  • Prognose der Vertriebswege 2026 bis 2030

*Die 16 Warengruppen sind wie folgt: Bürokommunikationspapier, Spezialpapier, Sonstige graph. Papiere, Briefumschläge/Papierausstattungen, Büroarbeitsplatzzubehör, Klebematerial, Schreibgeräte, Mal- und Zeichenbedarf, Ordnen & Archivieren (inkl. Etiketten), Tafeln/Boards, Verbrauchsmaterialien für Bürotechnik, EDV-Zubehör, Geschäftsbücher, Ansichts-/Glückwunsch- und Trauerkarten, Sonstige PBS-Artikel und PBS-Partyartikel, Kalender.

Die komplette Studie kann im Shop des IFH KÖLN erworben werden.

IFH KÖLN GmbH, Köln

Der Vertrieb über eigene Webshops, digitale Marktplätze und sonstige Online-Plattformen gehört heute für viele Hersteller selbstverständlich zu einer modernen Mehrkanalstrategie (Omnichannel-Vertrieb). Neben dem klassischen Außendienst und dem stationären Handel werden Produkte zunehmend auch unmittelbar über digitale Vertriebswege vermarktet.

Für Handelsvertreter stellt sich deshalb immer häufiger die Frage, welche Grenzen der Unternehmer hierbei beachten muss und unter welchen Voraussetzungen Onlineumsätze provisionspflichtig sind.

Unternehmer entscheidet grundsätzlich über seine Vertriebswege

Ausgangspunkt ist der Grundsatz der unternehmerischen Dispositionsfreiheit. Jeder Hersteller darf grundsätzlich selbst entscheiden, auf welchen Vertriebswegen er seine Produkte vermarktet. Er kann hierzu Handelsvertreter einsetzen, den Groß- und Einzelhandel beliefern, einen eigenen Online-Shop betreiben oder zusätzlich über Plattformen wie Amazon oder andere digitale Marktplätze vertreiben. Auch die Kombination mehrerer Vertriebswege ist rechtlich zunächst zulässig.

Diese unternehmerische Entscheidungsfreiheit endet jedoch nicht erst an den Grenzen des Wettbewerbsrechts. Mit dem Abschluss eines Handelsvertretervertrages übernimmt der Unternehmer zugleich gesetzliche Pflichten gegenüber seinem Handelsvertreter. Nach § 86a HGB hat er dessen Tätigkeit nach Treu und Glauben zu unterstützen und auf dessen berechtigte Interessen Rücksicht zu nehmen. Daraus leitet die Rechtsprechung seit langem eine wechselseitige Treue- und Rücksichtnahmepflicht beider Vertragsparteien ab.

Rücksichtnahmepflicht begrenzt die Vertragsfreiheit

Der Unternehmer darf seine Vertriebspolitik deshalb nicht völlig losgelöst von den berechtigten Interessen des Handelsvertreters gestalten. Je enger der Handelsvertreter in die Vertriebsorganisation eingebunden ist und je stärker er im Vertrauen auf eine langfristige Zusammenarbeit Personal, Kundenbeziehungen oder Investitionen aufgebaut hat, desto größer ist regelmäßig sein schutzwürdiges Interesse an einer verlässlichen Vertriebspolitik.

Hieraus folgt allerdings kein allgemeines Verbot eines eigenen Onlinevertriebs. Die Rechtsprechung erkennt vielmehr an, dass der Unternehmer seine Vertriebsorganisation den wirtschaftlichen und technischen Entwicklungen anpassen darf. Hierzu gehört heute grundsätzlich auch die Einführung oder Erweiterung digitaler Vertriebswege. Etwas anderes kann sich allerdings aus einer ausdrücklichen vertraglichen Ausschließlichkeitsvereinbarung oder aus besonderen Umständen des Einzelfalls ergeben, wenn der Unternehmer berechtigte Vertrauensinteressen des Handelsvertreters in unzumutbarer Weise beeinträchtigt. Entscheidend bleibt deshalb stets eine Abwägung zwischen der unternehmerischen Gestaltungsfreiheit und den schutzwürdigen Interessen des Handelsvertreters.

Entscheidend ist der Inhalt des Handelsvertretervertrages

Ob der Unternehmer parallel selbst über das Internet verkaufen darf, richtet sich in erster Linie nach den vertraglichen Vereinbarungen. Hat der Handelsvertreter lediglich einen gewöhnlichen Handelsvertretervertrag abgeschlossen, darf der Unternehmer grundsätzlich auch selbst im Vertragsgebiet tätig werden. Anders kann dies sein, wenn dem Handelsvertreter ausdrücklich ein Ausschließlichkeitsrecht eingeräumt wurde.

Die Rechtsprechung stellt an ein solches Wettbewerbsverbot allerdings hohe Anforderungen. Es muss sich aus dem Vertrag eindeutig ergeben, dass der Unternehmer auf eigene Direktgeschäfte verzichten will. Bloße Bezeichnungen wie „Generalvertreter“ oder „Bezirksvertreter“ reichen hierfür regelmäßig nicht aus. Demgegenüber spricht die Vereinbarung einer echten Alleinvertretung vielfach dafür, dass der Unternehmer innerhalb des vereinbarten Gebietes weder weitere Vertriebspartner einsetzen noch selbst unmittelbar tätig werden darf.

Ist ein solches Alleinvertriebsrecht vereinbart, erfasst dieses grundsätzlich auch Verkäufe über einen eigenen Internet-Shop, soweit diese Kunden innerhalb des geschützten Vertragsgebietes betreffen.

Neue Vertriebsformen verändern die Praxis

Die Digitalisierung hat die Vertriebslandschaft in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Viele Hersteller vertreiben ihre Produkte heute parallel über eigene Webshops, Online-Marktplätze, B2B-Bestellplattformen oder Apps. Für den Handelsvertreter ist dabei entscheidend, dass diese neuen Vertriebswege handelsvertreterrechtlich grundsätzlich nicht anders zu beurteilen sind als klassische Direktgeschäfte. Erfolgt der Geschäftsabschluss unmittelbar zwischen Unternehmer und Kunde, stellt sich stets die Frage, ob hierfür nach dem Handelsvertretervertrag oder aufgrund eines vereinbarten Bezirks- oder Kundenschutzes dennoch ein Provisionsanspruch besteht. Die technische Art des Vertragsschlusses ist demgegenüber regelmäßig ohne Bedeutung.

Internetverkäufe und Provisionsansprüche

Nicht jeder Verkauf über einen Webshop oder eine digitale Plattform führt automatisch dazu, dass der Handelsvertreter leer ausgeht. Maßgeblich bleibt vielmehr, ob ihm vertraglich ein Bezirks- oder Kundenschutz oder sogar ein Ausschließlichkeitsrecht eingeräumt wurde. Entscheidend ist nicht, über welchen technischen Vertriebsweg das Geschäft zustande gekommen ist, sondern wem das Geschäft nach den gesetzlichen Vorschriften und den vertraglichen Vereinbarungen wirtschaftlich zuzuordnen ist.

Besteht ein vertraglicher Bezirks- oder Kundenschutz, können auch Internetgeschäfte provisionspflichtig sein, wenn sie Kunden aus dem geschützten Gebiet oder dem geschützten Kundenkreis betreffen. Maßgeblich bleiben dabei die Regelungen des Handelsvertretervertrages sowie die §§ 87 ff. HGB.

Fehlt ein entsprechender Schutz, darf der Unternehmer grundsätzlich auch unmittelbar an Kunden verkaufen, ohne hierfür Provision zahlen zu müssen. Dies gilt unabhängig davon, ob der Verkauf über einen Außendienstmitarbeiter, telefonisch oder über einen Online-Shop erfolgt.

Omnichannel-Vertrieb verlangt klare Vertragsgestaltung

Die zunehmende Digitalisierung des Vertriebs zeigt, wie wichtig eine eindeutige Vertragsgestaltung geworden ist. Viele ältere Handelsvertreterverträge stammen aus einer Zeit, in der an Internetshops oder Plattformverkäufe noch nicht zu denken war. Häufig fehlen deshalb klare Regelungen dazu, wie Onlineumsätze behandelt werden oder ob sie in die Provisionsabrechnung einzubeziehen sind.

Gerade bei Neuverträgen empfiehlt es sich daher, ausdrücklich festzulegen, welche Vertriebswege der Unternehmer nutzen darf, welche Bedeutung Onlinegeschäfte für die Provision haben und ob dem Handelsvertreter ein Ausschließlichkeitsrecht, Bezirks- oder Kundenschutz eingeräumt werden soll. Klare vertragliche Regelungen vermeiden spätere Streitigkeiten und schaffen für beide Seiten Planungssicherheit.

Fazit

Der digitale Direktvertrieb gehört heute zur wirtschaftlichen Realität nahezu aller Branchen. Handelsvertreter müssen deshalb damit rechnen, dass Hersteller ihre Produkte parallel über eigene Webshops oder digitale Plattformen vertreiben. Ein generelles Verbot solcher Vertriebswege kennt das Handelsvertreterrecht nicht. Maßgeblich sind vielmehr die vertraglichen Vereinbarungen sowie die gesetzliche Rücksichtnahmepflicht des Unternehmers nach § 86a HGB. Je klarer Ausschließlichkeitsrechte, Bezirks- oder Kundenschutz sowie die Behandlung von Onlineumsätzen im Handelsvertretervertrag geregelt sind, desto geringer ist das Risiko späterer Auseinandersetzungen über Wettbewerbsverstöße oder Provisionsansprüche.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Unternehmer darf grundsätzlich selbst entscheiden, auf welchen Vertriebswegen er seine Produkte vertreibt – hierzu gehören heute auch eigene Online-Shops und digitale Marktplätze.
  • Seine unternehmerische Freiheit wird jedoch durch die gesetzliche Treue- und Rücksichtnahmepflicht gegenüber dem Handelsvertreter (§ 86a HGB) begrenzt.
  • Ob der Unternehmer Internetverkäufe im Vertragsgebiet durchführen darf, richtet sich in erster Linie nach dem Handelsvertretervertrag.
  • Nur eine eindeutig vereinbarte Alleinvertretung schließt eigene Direktgeschäfte des Unternehmers regelmäßig aus und erfasst grundsätzlich auch den Onlinevertrieb.
  • Bezirks- oder Kundenschutz können dazu führen, dass auch Internetgeschäfte provisionspflichtig sind.
  • Klare vertragliche Regelungen zum Umgang mit Onlineumsätzen und digitalen Vertriebswegen vermeiden spätere Streitigkeiten.

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